"Wherever there is coherence
there is endurance."
John Dewy
Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.
6. April 2026
Abschiede, Wiedergeburten, innere Welten, äußere Welten
16. März 2026
Warum der Don jetzt Schuhe verteilt
Mindestens eine Nummer zu groß
Unsere Medien berichten professionell über die USA, über das White House und über den derzeitigen US Präsidenten, als ob man über das, was dort geschieht, professionell berichten könnte. Sie sagen Dinge wie, "der Präsident hat entschieden", "eine Pressemitteilung aus dem Weißen Haus lässt wissen" oder "Trump fordert von der NATO..." Klingt alles nach normaler Politik, nach "normal".
Selbst über eine neue Merkwürdigkeit aus dem Weißen Haus berichtet das ZDF zwar leicht zwinkernd, aber immer noch, als sei es lediglich eine amüsante Randnotiz: Donald Trump verteilt offenbar Schuhe im Kabinett.
![]() |
| Eine Nummer zu groß für euch? (KI-generierte Illustration, erstellt 2026) |
13. März 2026
Hai oder Elektrischer Stuhl?
Eine Anekdote von Donald Trump
(Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang >>)
![]() |
| Lieber auf den Elektrischen Stuhl (KI-generierte Illustration, erstellt 2026) |
Ich war bei einer Bootsfirma in South Carolina. Ich fragte: "Wie läuft’s?" Der Inhaber meinte: "Es gibt ein Problem, Sir. Die wollen, dass wir nur noch Elektroboote bauen."
15. November 2025
Musica universalis: Echos in unseren Seelen
Einst galt das Hören mehr als das Sehen
Ein Text von Derek Turner
Das Auge hatte nicht immer Vorrang vor dem Ohr
"Am Anfang war das Wort" – doch Äonen vor diesem uralten Imperativ gab es andere lautliche Gebote, tief in uns selbst, grollend in den Schluchten der Erde und widerhallend durch das Universum. Unser Zeitalter des Auges unterschätzt das Ohr, dabei können Schallwellen uns tiefer bewegen als die eindrucksvollsten Anblicke. Selbst "Stille" ist ein Klang, den wir mit unseren eigenen Bedeutungen füllen.
![]() |
| Marguerite Humeau: The Opera of Prehistoric Creatures (Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0) |
Die heutige Technologie erlaubt ein immer präziseres Lauschen auf Geräusche, die sich früher jeder Analyse entzogen. Hochsensible Mikrofone werden in die Eingeweide der Erde eingeführt und in die lichtlosen Tiefen der Ozeane hinabgelassen, während gespannte Antennen und aufgesperrte Parabolschüsseln auf Botschaften aus dem All warten. Wissenschaftler erforschen den "singenden Sand" an Stränden und in Wüsten – jene Klagen und Pfeiflaute, die entstehen, wenn Silikatkörner bei bestimmten Frequenzen aneinander reiben – ebenso wie die rätselhaften "Brummtöne", die viele Menschen von New Mexico bis Schottland wie ein kollektives Tinnitus vernehmen wollen. Toningenieure experimentieren mit immer erfinderischeren Geräuscheffekten; Volkskundler sammeln irische Klagelieder und Lieder, die von den Rufen der Zikaden inspiriert sind; und Nostalgiker verabschieden sich von den Nebelhörnern an den Küsten, deren unendlich suggestives, vom Dunst gedämpftes Stöhnen durch GPS überflüssig geworden ist.
1. Oktober 2025
Schleimpilze, Menschen und andere Strukturen
Emergenz und Intelligenz
Technik-Optimisten benutzen den Schleimpilz – eine gehirnlose, einzellige Amöbe – als Metapher für die Tugenden der Künstlichen Intelligenz. Doch das ist – vielleicht gewollt – irreführend und ein tieferes Verständnis der Kraft des Schleims könnte uns zurückführen zur einzigartigen Fülle und Komplexität des Menschen.
Ein Essay von Eliane Glaser
![]() |
| Schleimige Quadratzentimeter im Deutschen Wald (G. Dietrich CC BY-SA 4.0 CC BY-SA) |
15. Januar 2023
Die Letzte Generation steht dem Bürger im Weg
Unsere Kids haben Angst vor dem Untergang ihrer Welt
"Einige Autofahrer schleppten Aktivisten von der Straße, bevor die Polizei anrückte. Die Demonstrierenden setzten sich daraufhin schnell wieder auf die Fahrbahn. Ein Mann sprach [...] die Aktivisten direkt an – sie müssten daran denken, dass die Leute einfach zur Arbeit kommen wollen. Dazu sagten die Demo-Teilnehmer, man müsse aber auch an die jungen Menschen denken, die bei der aktuellen Klimapolitik keine Zukunft hätten." (Berliner Zeitung)
Sie kleben sich auf der Stadtautobahn fest, sie behindern Flugverkehr und Kohlebagger, beschmieren sich mit Öl, besetzen Häuser – und sie verstoßen mit all dem gegen das Gesetz. Ein Angriff auf den Staat, ein Angriff auf uns alle! Bei FAZ, Welt und Cicero fliegt dem Bürger vom spitzen Kopf der Hut. Wieder einmal Weltende, aber diesmal anders. Die Hutschnur platzt schließlich, als dann auch noch Kunstwerke beschmutzt und versaut werden. Da fordern dann Journalisten und Staatsrechtler endlich ein härteres Vorgehen gegen Klimaaktivisten.
![]() |
| Ölwahn – Aktion der Letzten Generation in Berlin (CC BY 2.0) |
6. Juni 2021
Klänge: Sich in der Welt zu Hause fühlen
Der Rhythmus von Gegenübertreten und Wiedereintreten
Die westliche Philosophie ist raumlos, körperlos, weniger von In-Sein geprägt als von Da-Sein und vor allem von einer Art des "Gegenüber-Stehens", die nicht nur einen Einfluss darauf haben dürfte, wie wir die Welt wahrnehmen, sondern auch darauf, wie wir uns in ihr oder eben ihr gegenüber fühlen. Im Grunde ist es eine einsame Beobachterperspektive, die wir einnehmen, inklusive einem Abgespaltensein von dem, was wir da beobachten.
Was da religions- und wissenschaftshistorisch passierte, dass es so kam, weiß ich nicht genau, aber die Annahme liegt nahe, dass sich Religion und Philosophie im Westen voneinander stärker abgesetzt haben, als das zum Beispiel in östlichen Religionen und Philsophien der Fall ist, in denen die religiöse Anwesenheit, Klang, In- und Versunken-Sein immer auch noch philosophische bzw. konreter lebensanschauliche Relevanz haben.
25. April 2020
Solastalgie oder wie wir das Ende der Natur verkraften
Die Krankheit des 21. Jahrhunderts und ihr Trost
Warnung: Das ist ein sehr persönlicher Artikel. Lies ihn nicht, wenn du derzeit keine Aufnahmefähigkeit für Trauer, Pessimismus und Angst hast!![]() |
| Ästhetik für ein Leben in Enttäuschung und Trauer |
Jede Minute verschwinden etwa 30 Fußballfelder Regenwalds auf der Erde. Jede Minute! 30! "Weltweit verlieren wir derzeit rund drei Mal das verbleibende Gletschervolumen der europäischen Alpen. Und das jedes Jahr." (Michael Zemp, ETH Zürich) Die für artenreiche und damit gesunde Meere unverzichtbaren Korallenriffe gehen großflächig an den steigenden Wassertemperaturen kaputt; Unterwasserwüsten breiten sich aus. Und allein während meiner Lebenszeit bisher verschwand mehr als die Hälfte (!) aller wildlebenden Säugetierarten für immer von unserem Planeten. Das Schlimmste: All das sind sich gegenseitig verstärkende Zustände, Teufelskreise wie beispielsweise jener, dass immer weniger Regenwald eben auch immer weniger Luft kühlt oder der, dass weniger Eis an den Polen die Athmosphäre zusätzlich aufheizt und so das Eis noch schneller schmilzt. Mit anderen Worten: Wer heute noch hofft, dass wir diese Entwicklungen wieder in den Griff bekommen, muss komplett irre sein. Die Veränderung beschleunigt sich dramatisch.
In den letzten Monaten macht mir das zunehmend zu schaffen. Ich kann kaum noch Dokumentationen sehen, weil keine Natur-Doku mehr ohne Hinweis auf die alarmierende Verschlechterung der Situation auskommt. Ich kann den sonnig-warmen Frühling kaum noch genießen, seitdem ich sehe, wie hier in Ostdeutschland die Wälder vertrocknen und von Schädlingen zerfressen werden. Ich empfinde eine enorme Trauer, seitdem ich meinem Sohn die Bäche in Berlin Buch zeigen wollte, an denen ich in meiner Kindheit Stichlinge und Frösche fing. Heute ist zum Beispiel der Bach hinter meiner damaligen Schule nicht einmal mehr ein Rinnsal – es ist eine mit Plastikflaschen gefüllte Furche im ausgetrockneten Boden. Ich schlafe schlecht, weil das an mir nagt. Ich bekomme Panikattacken, wenn ich daran denke, was ich meinem Sohn hinterlasse. Ich könnte heulen, wenn ich an die verdreckte und vertrocknete Umwelt denke, in der ich vor gar nicht langer Zeit noch die erfrischende grüne Kühle und Stille fand, die meine Psyche so dringend benötigt. Ich habe Angst vor dem Kippen unserer Gesellschaften als Folge der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Was ist los mit mir, dass mir das persönlich so nahe geht?
27. Juli 2019
Nur ein Sternekoch kann diese Welt noch retten
Der Mensch – das kochende Tier
... biologisch betrachtet beginnt das Leben mit dem Wasser, kulturell jedoch mit dem Feuer. (Nikolai Wojtko, Die Philosophie des Kochens, S. 22)
Mit dem Übergang von Rohkost zu Kochkunst, steigt der Mensch aus der Nahrungskette aus und wird damit zum Kulturwesen. Der Verdauungsapparat verkleinert und das Hirn vergrößert sich, wir gewinnen Zeit, uns um anderes zu kümmern und können auch deswegen anfangen zu Sprechen, weil sich die Kauwerkzeuge verkleinern und Hals-Nase-Mund damit neue Funktionen aufnehmen können. Außerdem sollten wir zu schätzen wissen, dass wir nun selbst nicht mehr als Nahrung von größeren Tieren verfolgt werden und wir auf dem Weg zur Arbeit nicht versuchen müssen, irgend einem kleineren Tier das Genick durchzubeißen oder in der U-Bahn Wurzeln und Rinden knabbern. Der Ausstieg aus der Nahrungskette ist ein "massives Upgrade" (Louis CK), das außer dem Menschen bisher keinem Tier zuteil wurde.
Auf der anderen Seite, scheint unsere moderne Ernährung ganz neue barbarische Folgen zu haben: von gequälten Nutztieren bis hin zu vergifteten Böden, gerodeten Wäldern und dem resultierenden Massensterben in der wilden Flora und Fauna. Wir alle wissen das und machen uns in unseren Filterblasen darüber wohl auch zunehmend Sorgen, wenn man die Trends rund um regional, nachhaltig und vegetarisch betrachtet. Skepsis ist natürlich angebracht, ob diese Wohlstandssorgen wirklich globale Entwicklungen positiv beeinflussen können. Denn die Mehrheit der bald neun Milliarden Menschen auf diesem Planeten muss sehen, wie sie satt wird und wird daher nicht den Luxus haben, ihre Wahl der Nahrung unter ethischen Gesichtspunkten zu hinterfragen.
19. März 2019
Reich ist, wer viel ... hat
Eine kleine Umwertung unserer Werte
Nietzsche betonte schon im 19. Jahrhundert, dass Werte immer auf Herrschaftsstrukturen ausgerichtet und damit relativ, perspektivisch und zeitlich sind. Reich und glücklich sein, vielleicht auch noch schön … das sind heute die höchsten Werte vieler Menschen in so vielen Gesellschaften. Philosophisch gehören diese Eigenschaften in die Kategorien von Ästhetik und Ethik des Lebens. Was "schön sein" bedeutet, ist jeweils sehr von den gesellschaftlichen Übereinkünften, von Überlieferungen, Moden und Trends abhängig. "Glücklich sein" ist so individuell, dass eine einheitliche psychologische und philosophische Praxis dazu nicht möglich ist. Umstände, die den einen Menschen glücklich machen, können einen anderen unglücklich machen oder keinen Einfluss auf dessen Glückserleben haben."Reich sein" aber, scheint uns eine objektive Kategorie zu sein, man kann das an Zahlen ablesen: Was auch immer das Zahlungsmittel in einer Gesellschaft ist, man ist reich, wenn man viel davon hat. Egal ob es Gold ist, ob es Muscheln sind oder Gewürze – wenn es als Zahlungsmittel taugt, weil alle sich über die Stabilität des Werts dieses Mittels einig sind, dann ist derjenige reich, der viel davon hat. Bei uns sind diese Mittel lange schon im Geld abstrahiert. Geld ist in dieser Hinsicht nahezu magisch, denn wir können mit Geld alle anderen Mittel und noch vieles mehr erwerben. Kein Wunder also, dass bei uns derjenige als reich gilt, der viel Geld hat.
![]() |
| Luft, Raum, Familie, Zeit: Von dem viel haben, das einem wichtig ist... (Gilbert Dietrich, CC BY-SA 2.0) |
16. September 2018
Souveräne Vorbilder oder von den Umständen überfordert?
Nicht nur für Eltern: zur Selbsterziehung in den Wald
Mein zwei Jahre alter Sohn hatte heute früh Schwierigkeiten, seinen LKW mit Kastanien zu beladen und sagte plötzlich laut und frustriert "fuck!" Als ich klein war, haben Erwachsene ihren Kindern noch den Mund mit Seife ausgewaschen, dabei war es doch schon immer so offensichtlich, dass sie sich wohl besser selbst den Mund hätten waschen sollen. Denn schlimme Wörter oder Verhaltensweisen entwickeln Kinder ja nicht aus sich selbst heraus, sondern sie übernehmen das von uns vorgelebte Verhalten. Das macht mir ehrlich gesagt große Sorgen und ich komme zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben unter den Druck, auch in der Freizeit ein gutes Vorbild für jemanden anderen sein zu müssen.![]() |
| Selbsterziehung im Wald (Foto: Gilbert Dietrich, CC BY-SA 2.0) |
27. Mai 2018
Warum wir Freude an der Natur empfinden
Und was wir damit tun könnten
"Wir haben vielleicht die Natur verlassen,aber die Natur hat uns nicht verlassen."
Ich habe mich schon oft gefragt, warum uns in der Natur eine Art unerklärlicher Freude oder auch Glück und Zufriedenheit überkommen? Stehen wir nicht voller Entzücken auf einem Berg und schauen jubilierenden Herzens runter ins grüne Tal? Versetzt uns nicht der Sternenhimmel in ein freudiges Erstaunen? Haben die rhythmischen Anläufe der Wellen auf den Strand nicht eine beruhigende Magie? Und sind Sonnenuntergänge nicht einfach wie ein großer Frieden, der sich über unsere Seelen legt und sie heilt?
Wo kommt diese ästhetisch-emotionale Verbundenheit mit den natürlichen Abläufen her? Warum berührt uns die Natur so und warum sind wir trotz aller Gewalt, die wir so vielen Geschöpfen täglich antun, doch so fasziniert von Tieren? Es ist wie ein Erbe, das tiefer geht als alle Zivilisation. Wir spüren es vielleicht nicht jeden Tag, aber dieses Erbe ist so tief in uns eingeschrieben, dass es sich bei jedem Waldspaziergang wieder meldet, unseren Stress abbaut und die Stimmung hebt.
8. April 2018
Gegen die Leichtigkeit des Seins
Das einfache Leben – ein navier Traum
Minimalismus, Askese, Authentizität: das seien die Zutaten zu einem einfachen Leben, steht im Philosophie Magazin (Nr. 3 / 2018). Man könnte auch sagen: Lebensflucht, Sinnesfeindlichkeit und Egozentrik. Wie man es auch nennt, der zeitgeistige Trend zur Einfachheit beginnt mit einem Überforderungsgefühl, dem bei priviligierten Zeitgenossen Umstände wie diese drei zugrunde liegen:- Zu viele Dinge umgeben uns und verlangen unsere Aufmerksamkeit und unser tägliches Management.
- Wir sind in einem Zeitalter angekommen, in dem unsere Begierden jederzeit erfüllt werden können. Das ist sehr anstrengend, denn es erfordert ständige Organisation, Evaluation und Investition.
- Wir spielen zu viele Rollen jeden Tag: Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, Lebens- oder Ehepartner, Elternteil, Autor, Künstler, Bandmitglied, Bodybuilder oder Vereinsmitglied – das grenzt an Persönlichkeitsspaltung und frisst jede Menge Energie.
Das sind Überforderungszenarien, deren Kombinationen eine wohlhabene, mitteleuropäische Existenz heute beinahe dauernd ausgesetzt ist. Das ist immer noch besser, als Hunger zu leiden oder von Krankheiten und Kriegen bedroht zu sein, aber das haben wir schon lange vergessen, deswegen kommt uns unser Leid auf hohem Niveau nicht weniger furchtbar vor.
13. März 2018
Das Dazwischen ist das, was zählt
Maurice Merleau-Pontys Phänomenologie
Dasein und Welt haben ihren Zusammenhang im Leiblichen, so könnte man Maurice Merleau-Pontys Hauptthese zusammenfassen. Hinter diese Erfahrung kann man nicht zurückgehen, man kann das Sein nicht weiter reduzieren, vor dem Leiblichen gibt es nichts. Merleau-Ponty ist einer der Vertreter der Phänomenologie, der Philosophie, die den Ursprung jeder Erkenntnisgewinnung in den unmittelbar gegebenen Erscheinungen sieht. Nur ist es nicht so einfach, wie es klingt: Die Welt ist nicht, wie sie uns im Bewusstsein erscheint. Wir müssen diese Erscheinung gewissermaßen zurückrechnen, wir müssen unsere Position und Perspektive, unseren Wahrnehmungsapparat, unser eigenes Verortetseins in der Welt rein- und rausrechnen, um die Phänomene wirklich beschreiben zu können. Die intuitive Wahrnehmung ist ein selbstvergessener Akt, der erst durch tiefe Reflexion über sich selbst den Phänomenen näher kommt. Maurice Merleau-Ponty zeigt das in seiner Philosophie sehr einprägsam.![]() |
| Maurice Merleau-Ponty (Wikipedia) |
22. Oktober 2017
Bilder des Trostes, H wie Habicht
Das Finden und Verlieren der Wildheit in der Natur
Die allerkleinsten und die allergrößten Dinge gehen gerade irgendwie kaputt. In unseren Böden gibt es kaum noch Insekten und an den Polen schmelzen unvorstellbar riesige Eismassen. Und zwischendrin bemühem wir uns darum, Pandas zu züchten und Seeadler wieder anzusiedeln."... da draußen gibt es eine Welt der Dinge – Felsen und Bäume und Steine und Grass und all die Dinge, die dort kriechen und laufen und fliegen. Sie sind alle Dinge an sich, aber wir legen für uns einen Sinn in sie hinein, der unsere Sicht auf die Welt stützt." (Helen Macdonald, übersetzt von mir aus dem englischen Original H is for Hawk, S. 275)
| Zwei Seeadler über Rügens Strand (Foto: Gilbert Dietrich, Lizenz: CC BY 2.0) |
2. September 2017
Zeit, Schönheit und Leben
Ein Artikel von Thomas Marti
Unser Alltag ist voll von Zeitphänomenen, die unser Leben mehr oder minder beeinflussen: Langeweile, Öffnungszeiten, Jet-Lag, Rentenalter, Stress, Weihnachten, der Termin beim Zahnarzt usw. Unendlich viele Zeiten, alle mit ihren eigenen Rhythmen, Symbolen und Konnotationen durchdringen unser Leben. Wir können sogar gleichzeitig in verschiedenen Zeiten sein: Ich kann z.B. innerhalb von drei Minuten, in denen ich nach dem Bus rennen muss, der um 8 Uhr 12 fährt und den ich kriegen muss, um pünktlich zu erscheinen spüren, wie mein Pulsschlag immer schneller zu klopfen anfängt, mir die Passanten etwas verwundert nachsehen und mir einige Ideen für das gemeinsame Nachtessen heute Abend durch den Kopf jagen. Zeit ist ein explizit soziales Phänomen: Zeit wird sozial konstruiert, kommuniziert und wie nur in einem sozialen Kontext relevant. Jede Zeitlichkeit und jegliche zeitliche Ordnung und Struktur sind Konstruktionen von Beobachtern und nicht das Wesen von Objekten und damit schliesslich soziale Zeit.19. August 2017
Schönheit und Arbeit
Fantasie ist der größte Freund der Möglichkeit
Der irische Dichter und Philosoph John O'Donohue sagte kurz vor seinem Tod im Jahr 2008, dass die sichtbare Landschaft gleichtzeitig ein Tor zum Unsichtbaren sei. Deshalb war die Schönheit der Landschaft für ihn so wichtig, weil sie ein Tor zur Schönheit in uns ist, zu einer Vorstellungskraft, einer Fantasie, die Gutes schaffen kann. Im Altgriechischen, so O'Donohue weiter, stehe das Wort für Schönheit in enger Verwandtschaft mit dem Wort "Ruf" im Sinne einer Aufforderung: Schönheit ruft uns dazu auf, Gutes zu tun.![]() |
| Surreal, schön: The Burren (Foto vom Autor, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0) |
26. Februar 2017
Das Leben feiern – Ihr wisst, was ich meine!
Nina Simones "I'm Feeling Good"
Die Vögel fliegen so hoch, ihr wisst, wie ich mich fühle. Die Sonne am Himmel, du weißt, wie ich mich fühle. Ein Luftzug streift mich, du weißt, wie ich mich fühle. Ein neuer Morgen, ein neuer Tag, ja ein neues Leben für mich. Und ich fühl mich gut.8. Januar 2017
Das Geräusch der Stille
Gibt es noch irgendwo Freiheit vom Lärm?
ruhig und ungestört den Lauten
der Natur zu lauschen und ihnen
den Sinn zu entnehmen,
den sie uns erschließen."
(Gordon Hempton)
Wie hört es sich an, wenn Schnee fällt und niemand in der Nähe ist? Erinnert ihr euch an den Sound des Sommerwinds im Gras? Oder das Rauschen der Blätter im Herbstwald? Und wer sehnt sich nicht manchmal nach Stille, richtiger Stille – etwas Raum und Zeit ohne Familie, Kollegen, Nachbarn, Verkehr, Werbung oder Radio und Fernseher? Für mich ist die Sehnsucht nach Stille so etwas wie ein metaphysischer Durst. Stille nährt nicht wie Wasser und Luft meinen Körper, sondern sorgt dafür, dass mein Geist gesund bleibt. Auf der Suche nach Stille treibt es mich zum Beispiel in die Wälder und an die Seen im Nordosten Europas. Manchmal muss ich dann tatsächlich ins Wasser und untertauchen, um überhaupt so etwas wie Stille zu finden. Denn immer öfter fällt mir auf, dass wir keine Orte mehr haben, an denen wir für längere Zeit keinen Lärm hören. Selbst im dünn besiedelten Nordosten Deutschlands gibt es nur weniger Wälder, in denen man nicht den Verkehr auf der nächsten Landstraße oder Autobahn hört. Oder die Traktoren und Mähdrescher, die ein Feld bewirtschafteten. Mindestens aber hört man alle paar Minuten ein Flugzeug, dass über unsere Köpfe hinweg den nächsten Flugplatz ansteuert. Wo gibt es noch Stille? Ja, was überhaupt ist Stille?
![]() |
| Ein Moment der Stille im Wald (Foto: Gilbert Dietrich, CC BY-SA 4.0) |
18. November 2016
Die Bandbreite des Lebens wiederentdecken
Die wertvolle Nutzlosigkeit von Kunst und Literatur
Stellen Sie sich eine verstimmte Geige vor!
Sie zu stimmen, dass sie wieder in Harmonie ist,
das ist, was Kunst kann. (Michael Longley)
Unsere Leben sind oft hektisch und zerstreut, geprägt von profanen Sorgen um Arbeit, Beziehungen, Politik und das, was in der Zeitung steht. Nicht selten sind es aufgebauschte Kleinigkeiten, die uns sehr groß und bedrohlich erscheinen. Man könnte sagen, dass diese Form des Seins uns nur sehr einseitig fordert und uns und unsere Wahrnehmung damit zu verengen und zu verzerren droht. Das Leben ist doch größer als die immer währenden Besorgungen des Alltags. Da stimmen wir sicher alle zu. Und trotz dieses Wissens geht die Größe des Lebens oft verloren, sie entzieht sich immer mehr, wird unsichtbar und damit irgendwann auch unerreichbar. Was können wir tun, um uns die ganze Bandbreite des Lebens offen zu halten?
Top 5 der meist gelesenen Artikel dieser Woche
-
Die schönsten Arten, die Menschheit zu verachten "Ich glaube an die Gleichheit und die Einigkeit der gesamten Menschheit. Wir si...
-
"...ich hasse alle Menschen: die einen, weil sie schlecht sind und bösartig, und die anderen, weil sie den Schlechten nachgeben......
-
Der folgende Artikel ist als ein Einstieg in das Thema für Interessierte und Betroffene gedacht. Er ist keine strikt wissenschaftlich-psyc...
-
Wie können stille Menschen in einer lauten Welt überleben? Fragen Sie sich auch manchmal, warum Sie sich unter vielen Menschen so unwohl f...
-
Der folgende Artikel ist ein sehr persönlicher Bericht zu meiner schizoiden Disposition. Vielleicht hilft er anderen Betroffenen sich selbs...










